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Schule muss so sein, dass auch die Kleinsten mitkommen können

Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes für das Land Berlin

35. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses

lfd. Nr. 6:
Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes für das Land Berlin (SchulG)

[Aus dem Wortprotokoll]

Regina Kittler (LINKE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich spreche jetzt zu den Drucksachen 17/0588 und 17/1137. Wir haben ja schon mal über diese Thematik hier diskutiert, zumindest zu der ersten Drucksache. Auch dort habe ich schon bemerkt: Wir reden hier über ganz kleine Menschen, die in die Schule kommen, zum Teil eben auch fünfeinhalb Jahre alt, und nicht für alle von ihnen ist dieser Weg ins Leben erfolgreich und/oder nicht von Freude begleitet. Einige steigen schon nach kurzer Zeit aus, weil sie die Schule schlicht nicht schaffen oder mit den Strukturen einfach nicht klarkommen – und das, obwohl sie alle neugierig und stolz sind, wenn sie etwas Neues können. Andere Kinder hingegen langweilen sich vielleicht in der gleichen Klasse, in der andere sich hinter dem Vordermann abducken, weil sie Angst vor Versagen haben. Wieder andere konnten wahrscheinlich vieles schon, als sie endlich in die Schule durften. Wenn wir Pech haben, entwickeln sie jetzt ein Sozialverhalten, das ihren Mitmenschen ein Leben lang auf die Nerven gehen wird.

Warum ist das so? Ändert sich daran etwas, wenn die Kinder nun vielleicht ein halbes Jahr später in die Schule kommen, wie dies der Grünen-Antrag will? Ich zweifle das an. Der Einschulungszeitpunkt sollte nicht von einem Stichtag abhängig sein, sondern davon, ob ein Kind so weit ist, in die Schule gehen zu können. Das können Eltern und Erzieherinnen und Erzieher aus den Kitas ziemlich genau einschätzen. Also bin ich bei der Piratenfraktion, die mehr Flexibilität fordert. Aber geben das geltende Schulgesetz und seine Handhabung hier nicht auch schon viel her? Darüber sollten wir auch im Ausschuss diskutieren.

[Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den PIRATEN]

Ich habe es hier schon einmal festgestellt: Es gibt in Berlin bisher keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich das frühe Einschulen auf die Kinder auswirkt. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgte nicht, und die Frage, warum nicht, wurde mir auch auf Nachfrage im Bildungsausschuss nicht wirklich beantwortet. Auch mir sind keine Studien bekannt, die belegen, dass früheres Einschulen Lernprobleme abbaut. Ich denke, wir brauchen jetzt folgende Schritte, damit alle Kinder einen guten Schulstart haben – erstens die wissenschaftliche Begleitung, die versäumt wurde, zweitens, in den Köpfen der Eltern, aber auch mancher Pädagoginnen und Pädagogen, zu verankern, dass die Schulanfangsphase drei Jahre Zeit lässt, Ziele, die durch Rahmenlehrpläne festgelegt werden, zu erreichen, und dass auf dem Weg dorthin Defizite ausgeglichen werden können, ob nun in der Sprache oder in der Erziehung. Drittens – und ich denke, das ist das Wichtigste – müssen wir dringend die Bedingungen verändern, wie Kinder lernen können, und auch überdenken, was Kinder lernen müssen. Das kann von Kind zu Kind durchaus unterschiedlich sein. Wir müssen also die Schule verändern. Das wird auch die Herausforderung der inklusiven Schule sein.

[Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den PIRATEN]

Dass es besser geht als im Durchschnitt der Berliner Schulen, kann, wer will, schon an einigen Berliner Schulen wie z.B. in der von mir hier bereits genannten Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Prenzlauer Berg mit ihrem jahrgangsgemischten Unterricht sehen. Dass es besser geht, kann, wer will, auch vom Hirnforscher Gerald Hüther erfahren. Schule muss so sein, dass auch die Kleinsten mitkommen können und in ihrer Unterschiedlichkeit angenommen werden, unabhängig von Einschulungsalter. Das ist das, was die Linksfraktion will, und ich hoffe, wir sind nicht die Einzigen hier.

[Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei den PIRATEN]

Mal unabhängig von den Anträgen: Özcan! Falls wir uns nicht mehr hier sehen sollten, dann möchte ich dir noch sagen: Das Streiten mit dir hat meistens Spaß gemacht. Wenn wir uns einig waren, war es noch besser. Sollte es klappen, viel Spaß im Bundestag!

[Beifall bei der LINKEN, den GRÜNEN und den PIRATEN]


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