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Quereinsteiger*innen besser unterstützen und integrieren

29. Sitzung, 28. Juni

Regina Kittler (LINKE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Meine Rede kann ich jetzt erst einmal zur Seite legen, denn ich möchte auf das eingehen, was Frau Bentele gerade gesagt hat. Das hat Frau Lasić ja leider nicht gemacht. – Entschuldigung, Frau Bentele! Die Abfolge war eine ganz andere, und auch inhaltlich ist es anders geschehen, als Sie es gerade dargestellt haben. Sie haben Ende September oder Anfang Oktober den Antrag gestellt, dringend über Quereinsteigende zu diskutieren.

Wir haben Sie gebeten, eine Anhörung im November abzuwarten, wo wir allen Beteiligten das Wort erteilen wollten. Diese Anhörung hat im November auch stattgefunden. Unsere Zielstellung war, gemeinsam Lösungen zu finden. Die ersten Lösungen – und wenn Sie den Antrag richtig lesen würden, würden Sie das auch verstehen; es sind nämlich die ersten Punkte – sind längst beschlossen, und zwar mit dem Doppelhaushalt 2018/2019. Jetzt zu sagen, es komme zu spät – das hätten Sie schon im Dezember erklären müssen, denn da haben wir es mit dem Haushalt beschlossen. Das haben Sie aber wahrscheinlich nicht mitbekommen. Das Paket, das Frau Lasić vorhin erwähnt hat, ist im Dezember von uns noch einmal öffentlich vorgestellt worden.

Wir wollen nun kontrollieren, wie diese Punkte, die beschlossen und für die 60 Millionen Euro eingestellt wurden, erfüllt wurden. Wir kommen als Parlament also unserer Kontrollpflicht nach. Das ist Teil eins.

Die zweite Sache betrifft die Regelung mit dem Stipendiumprogramm. Selbstverständlich werden Bedingungen daran geknüpft.– Entschuldigung! Das ist eine Aufgabe des Senats. Diese Aufgabe muss der Senat erfüllen. Er muss vorlegen, welche Bedingungen an das Stipendium geknüpft sind. Das werden sie auch tun, darauf können Sie Gift nehmen!

Nun komme ich zum Eigentlichen. Wir müssen nicht drum herumreden: Wir befinden uns in einer dramatischen Ausnahmesituation, was den Fachkräftemangel angeht. Das wird auch noch einige Jahre anhalten. Wir wissen alle um die steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen, wir wissen um die steigenden Zahlen von Pensionierungen und Berentungen. Wir kennen den Fakt, dass nicht nur Berlin, sondern auch viele andere Bundesländer das gleiche Problem haben, da hier nämlich unter anderem auch eine bundesweite Steuerung fehlt. Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Auch unter Ihrer Mitregierung auf Bundesebene wurden die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen vor etwa zehn Jahren bundesweit abgebaut. Als 2012 klar war, welcher Entwicklung wir hier entgegengehen, haben auch wir in Berlin nicht fristgerecht gegen diesen Trend gesteuert, unter anderem auch in Ihrer Regierungszeit nicht.

Jetzt haben wir den Salat und müssen damit umgehen. Und ich frage Sie: Sie sind wirklich der Meinung, wir könnten bei den Quereinsteigenden gegenwärtig die Unterrichtsverpflichtung drastisch reduzieren? – Das können wir leider nicht. Wir wollen es, und das muss auch die Zielstellung sein, da der Zustand, dass Referendarinnen und Referendare, die auf Lehramt studiert haben, im Referendariat weniger unterrichten müssen als Quereinsteigende, nicht haltbar ist. Das ist eine unglaubliche Belastung für die Quereinsteigenden; das ist so. Aus diesem Grund haben wir ein Maßnahmenpaket – Teil eins – mit dem Haushalt beschlossen. Teil zwei wird nun mit dem Antrag vorgelegt. Das sind die Maßnahmen, die wir weiterhin durchsetzen wollen.

Ich glaube aber, dass auch das noch nicht reichen wird. Wir werden weiter mit den Mentorinnen und Mentoren reden müssen. Wir werden weiter mit den Quereinsteigenden reden müssen, ob diese Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, ausreichend, sind oder ob wir noch mehr ergreifen müssen.

Vizepräsidentin Cornelia Seibeld:

Frau Kollegin! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Woldeit?

Regina Kittler (LINKE):

Bitte!

Vizepräsidentin Cornelia Seibeld:

Bitte schön!

Karsten Woldeit (AfD):

Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Vielen Dank für die Möglichkeit der Zwischenfrage, verehrte Frau Kollegin! Sie nutzen den Begriff „Quereinsteigende“. Ich vermute mal, das bezieht sich auf den Begriff „Quereinsteiger“. Oder meinen Sie Menschen, die in der Bewegung des Einsteigens eine quer einzunehmende Körperhaltung haben? Das ist für mich ein bisschen missverständlich.

Regina Kittler (LINKE):

Ich erkläre Ihnen das gerne, wenn Sie das brauchen. Ich meine damit quereinsteigende Lehrerinnen und Lehrer, die an unseren Schulen eingestellt werden. Da ich es mir schenken möchte, jeweils von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern zu sprechen, nehme ich den Sammelbegriff, so wie ich auch von Lehrkräften spreche statt von Lehrerinnen und Lehrern. Ich hoffe, das haben Sie jetzt verstanden.

Ich helfe ja gerne, wenn ich weiterbilden kann.

Um noch einmal auf den Antrag zu sprechen zu kommen, möchte ich festhalten: Für mich findet der jetzige Quereinstieg in einem Zeitfenster statt, das sich, so wie es jetzt ist, auch wieder schließen wird – nämlich genau dann, wenn wir wieder genügend Lehrkräfte, die auf Lehramt studiert haben, in unseren Schulen einstellen können. Das muss die Zielstellung sein. All denen aber, die jetzt über den Quereinstieg zu uns kommen und fachlich hochqualifiziert sind, müssen wir jetzt auch gute Bedingungen schaffen, damit sie pädagogisch, psychologisch und methodisch gut arbeiten können. Den Rest können wir gerne im Ausschuss diskutieren.


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