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Entwicklung eines Bibliothekskonzepts für Berlin

28. Sitzung, 14. Juni

Regina Kittler (LINKE):

Vielen Dank! – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Menschheit soll in ihrer langen Geschichte bis zur letzten Jahrtausendwende auf allen bis dahin entwickelten Speichermedien etwa 5 Millionen Gigabyte Daten produziert haben.

2011 wurde die gleiche Datenmenge in 48 Stunden hergestellt. 2013 brauchte die Menschheit nur noch 10 Minuten dafür, und heute schaffen wir das in wenigen Sekunden. Diese Zahlen stammen übrigens nicht aus meiner Sammlung, sondern aus einem spannenden Impulsreferat von Anja Witzel, Referentin der Landeszentrale für politische Bildung, das sie gestern in der Kuratoriumssitzung hielt und das ich allen zum Nachlesen empfehlen möchte. Als diese rasante Entwicklung mit dem digitalen Zeitalter begann, haben viele den Bibliotheken nicht mehr viel Existenzzeit gegeben. Allen Unkenrufen zum Trotz behaupten sich unsere Bibliotheken als meistgenutzte Kultur- und Bildungseinrichtung nicht nur im digitalen Zeitalter, sondern sie erhalten durch IT-gestützte neue Formen und Wege der Informations- und Wissensvermittlung eine noch größere Bedeutung, verbunden mit neuen Aufgaben und Herausforderungen.

Diese ergeben sich natürlich gleichermaßen aus der wachsenden Stadt und der zunehmenden Vielfältigkeit von Nutzer- und Nutzerinnenbedürfnissen. In der Fachtagung der Linksfraktion – so weit jetzt unser Werbeblock, Frau Kollegin Bangert – am 2. März 2018 haben wir mit Bibliotheksleiterinnen und Bibliotheksleitern und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie mit vielen Nutzerinnen und Nutzern über die Zukunft der öffentlichen Bibliotheken in Berlin diskutiert. Da wurden als neue Anforderungen die Zunahme von ausgeprägten interkulturellen Kompetenzen und Sprachkenntnissen oder das Erfordernis, dass abgewogen werden muss, ob mehr WLAN-fähige Arbeitsplätze oder große Freihandbereiche Priorität haben, genannt. Wie soll zukünftig das Verhältnis von digitalen zu traditionellen Medien in den Bibliotheken sein? Welche Öffnungszeiten brauchen einzelne Nutzer- und Nutzerinnengruppen, und wie sind diese personell abzusichern? Welchen Raum bieten Bibliotheken für Begegnungen? Können Schülerinnen und Schüler oder Studierende hier in Ruhe recherchieren und arbeiten? Wie werden Lese- und Medienkompetenz gefördert? Welche guten Erfahrungen einzelner Bibliotheken lassen sich verallgemeinern? Wie lassen sich kiezbezogen oder zielgruppengenau besondere Angebote realisieren?

Das sind nur einige Fragen, die von den fach- und sachkundigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fachtagung in die Diskussion eingebracht wurden. Den Anwesenden war klar, dass noch viele Aspekte der Bibliotheksentwicklung genauer betrachtet werden müssen und vor allem, dass es bestimmter finanzieller, technischer und räumlicher Grundvoraussetzungen bedarf, um den Herausforderungen an moderne Bibliotheken gerecht zu werden. Gut ausgestattete Bibliotheken, frei vom Konsumzwang und mit kostenfreiem Zugang zum Internet, gehören zur Daseinsvorsorge. Rot-Rot-Grün hat sich in der Koalitionsvereinbarung verpflichtet, die öffentlichen Bibliotheken zukunftsfähig zu machen, und dafür braucht Berlin genau dieses Bibliothekskonzept, das jetzt entwickelt werden soll.

Unser Ziel ist es, auf seiner Basis das Bibliotheksnetz zu sichern, den Bedürfnissen der wachsenden Stadt anzupassen, es auszubauen und eine gesetzliche Regelung für die Bibliothekslandschaft Berlins anzustreben. Letzteres möchte ich noch mal für die Linksfraktion deutlich hervorheben. Unser Ziel ist ein Bibliotheksgesetz für Berlin.

Standards müssen her, damit lebenslanges Lernen ermöglicht wird, und zwar an Orten, die für alle erreichbar und nutzbar sind, an Orten, die gut vernetzt sind und die das Erleben von Literatur, das Erfahren von Wissenschaft und Kommunikation ermöglichen. Dass diese Standards nur mit ausreichend qualifiziertem Personal, das dafür auch gut bezahlt werden muss, und mit der Sicherung und Ausweitung von Räumen erreicht werden kann, dürfte klar sein, und dafür trägt unser Haus und tragen wir alle hier Mitverantwortung. Das gilt für wissenschaftliche Bibliotheken, die Zentral- und Landesbibliothek, die Bezirksbibliotheken und natürlich auch für die Schulbibliotheken. Nutzen wir für letztere auch die Chance, die sich mit dem Schulbauprogramm ergibt! Schaffen wir da, wo Bezirke das brauchen, auch neue Schulbibliotheken, die sich in den Stadtraum und in die Nachbarschaft öffnen, und schauen wir dabei auch mal über den Tellerrand! Was z. B. Aarhus mit nicht einmal einem Zehntel unserer Einwohnerschaft schafft, sollte doch auch in der Hauptstadt Deutschlands möglich sein. Gehen wir mit diesem Antrag einen großen Schritt in die Zukunft der Berliner Bibliotheken!


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