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Bibliothekskonzept für Berlin

30. Sitzung, 13. September 2018

Regina Kittler (LINKE):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich nehme das Thema ein bisschen ernster als mein Vorredner. – Ich fand, bei den Vorschlägen war nicht herauszuhören, was das Neue an der Haltung der CDU ist, außer dass Sie den Antrag gut finden, sich aber trotzdem enthalten wollen. Sie hätten ja einen Änderungsantrag einbringen können. Das haben Sie leider nicht getan. Darüber hätten wir dann diskutieren können.

Ich möchte erst mal vorwegschicken: Wir reden hier über ein Thema, das gerade die Stadt bewegt. Mehr als 9 Millionen Menschen im Jahr nutzen gegenwärtig die Berliner öffentlichen Bibliotheken. Wir haben 81 Stand­orte. Wir haben rund 1 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Menschen beraten, für sie oder mit ihnen Veranstaltungen durchführen, sich um den Bestand an den unterschiedlichsten Medien kümmern, und diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hochqualifiziert, sehr motiviert, und sie wollen nicht in Altem verharren. Sie wollen, dass die Bibliotheken leben, und leben bedeutet auch Veränderung. Ich habe im letzten Dreivierteljahr mit vielen von ihnen reden können und möchte mich bei ihnen bedanken, dass sie für diese gemeinsamen Gespräche zur Verfügung standen. Ich habe ihnen zugehört und nicht zuletzt auch den Anzuhörenden im Kulturausschuss.

Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben gerne mit ihrem Beruf, der für viele eine Berufung ist, und sie sehen Chancen, aber auch Hemmnisse für eine Entwicklung der Bibliotheken in unserer Stadt. Als Hemmnisse wurden neben der Kosten- und Leistungsrechnung unter anderem die Verteilung der Globalsummen in den Bezirken, die Informations- und Kommunikationsstruktur in der Berliner Verwaltung und die föderalen Verwaltungsstrukturen im Gegensatz zu den einheitlichen Angeboten bzw. einheitlichen Standards im VÖBB genannt. Als Chancen sehen sie vieles, unter anderem eine Rückbesinnung auf den Gründungsgedanken von Bibliotheken wie beispielsweise Lankes ihn benennt. Er schrieb in seinem Buch „Erwarten Sie mehr“ – würde ich übrigens allen empfehlen, mal zu lesen –: Öffentliche Bibliotheken sollen die Gesellschaft durch die Generierung und Verbreitung von Wissen verbessern. Sie sind ein Ort der Gemeinschaft und stärken die Demokratie durch Teilhabe von aufgeklärten und informierten Bürgerinnen.

Volker Heller von der ZLB und Danilo Vetter, Leiter der öffentlichen Bibliothek in Pankow, wollen die öffentlichen Bibliotheken zu Orten entwickeln, die nicht mehr länger nur ein Tempel der Informationen und des Wissens sein sollen, sondern zugleich auch eine Plattform für Wissensakteure, die ihr Wissen mit anderen teilen. Und sie formulieren Erwartungen an die Bibliotheksentwicklungsplanung, folgendermaßen: Sie soll die Potenziale der Bibliotheken aus den Säulen des Verwaltungsdenkens herausholen und als Querschnittspotenzial für die Stadt aktivieren. Der VÖBB soll durch sie zu schnellerem, flexiblerem Handeln und verbindlichen Entscheidungen befähigt werden. Und sie erwarten eine Lösung vom Berliner Landesnetz und ITDZ und die Berücksichtigung des dringend notwendigen Neubaus der ZLB. – Dazu wurde eben schon was gesagt, und dazu liegt zumindest eine Standortentscheidung vor. Über den Rest müssen wir dann auch im Zusammenhang mit den Haushaltsberatungen verhandeln.

Unsere Zielstellungen, die R2G mit dem vorliegenden Antrag verfolgen, sind, auf der Basis eines aktuellen Bibliothekskonzeptes das Bibliotheksnetz zu sichern, den Bedürfnissen der wachsenden Stadt anzupassen, es auszubauen und gesetzliche Regelung für die Bibliothekslandschaft Berlins anzustreben. Was daran jetzt das Delegieren von Verantwortung ist oder keine konkrete Zielstellung, werter Kollege von der CDU, das verstehe ich nicht. Im Antrag ist genau definiert, was wir von einem solchen Konzept erwarten und wen wir in die Entscheidung, die hier zu treffen sind, einbinden wollen. Ich denke, wir sollten gemeinsam daran mitwirken, dass dieses Konzept nicht nur erarbeitet, sondern dann auch umgesetzt wird.

Zum Schluss sei mir noch ein Werbeblock gestattet: Der Verbund öffentlicher Bibliotheken – der zwölf Berliner Bezirksbibliotheken und der Zentralen Landesbibliothek, also, kurz der VÖBB – feiert am kommenden Wochenende seinen 20. Geburtstag mit dem 1. Berliner Bibliotheksfestival. Gestern ist die „Next Library“ eröffnet worden. Ein Wochenende lang gibt es dann auch für die Berlinerinnen und Berliner rund um die Amerika-Gedenk­bib­liothek Workshops, Musik, Lesungen, vieles mehr. Falls mich jetzt Berlinerinnen und Berliner hören sollten: Gehen Sie hin – ich möchte Sie dazu aufrufen! Nehmen Sie Ihre Freunde mit, nehmen Sie Ihre Kinder mit! Für alle wird etwas angeboten. Und auch da können Sie durchaus schon Partizipation üben. – Vielleicht gehen Sie ja auch mit hin, Herr Kollege, und dann können Sie da schon eine ganze Menge mitnehmen!


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