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Lesung & Gespräch mit Katja Oskamp "Marzahn mon amour"

Rotes Sofa mit Katja Oskamp: Marzahn mon amour

Eine Liebeserklärung an Marzahn, so oder so ähnlich könnte man Katja Oskamps Buch „Marzahn mon amour – Geschichten einer Fußpflegerin“ beschreiben. Die Schriftstellerin erzählt auf über 140 Seiten Geschichten von Menschen aus dem Bezirk, die sie während ihrer Tätigkeit als Fußpflegerin an der Marzahner Promenade kennengelernt hat. Ebenfalls in Marzahn kennengelernt haben sich Oskamp und Manuela Schmidt. Bei der Kochshow „DIE LINKE kocht´s hoch“, die Manuela einmal jährlich auf der Marzahner Promenade veranstaltet, bot sie Oskamp einen Teller Chili con Carne an und bringt schließlich mehrere Portionen in die Fußpflege-Praxis.

Fußpflegerin ist Katja Oskamp nur nebenbei, wie sie im Abgeordnetenbüro Kittler/Schmidt den etwa 60 Gästen erzählt. 1970 in Leipzig geboren, wuchs Oskamp im Prenzlauer Berg auf, studierte Theaterwissenschaften und arbeitete als Dramaturgin am Volkstheater Rostock. Am Leipziger Literaturinstitut studierte sie anschließend Literatur. Der Plattenbau, den sie mit ihren Eltern bewohnte, empfand sie zunehmend als spießig. Und so zog es sie kurz vor der Wende in die kaputten Altbauten und die Künstlerszene Ostberlins.

Nachdem sie in den 2000er Jahren Kurzgeschichten und Erzählungen veröffentlichte, beginnt Oskamp nach einer Phase der Orientierungslosigkeit und Arbeitslosigkeit mit Mitte 40 neu und wird Fußpflegerin. Ein sicheres Einkommen und geregelte Arbeitszeiten geben dem Leben Struktur, wie sie positiv anmerkt. Es ist die Fußpflege, die sie nach Marzahn führte. Und nach wie vor fährt Oskamp vom Friedrichshain zweimal wöchentlich mit der M6 in den Bezirk und sitzt den ganzen Tag im Laden: „Marzahn kommt zu mir.“, sagt sie.

Die Geschichten ihrer sehr unterschiedlichen Kundinnen und Kunden schreibt sie auf. Es sind oft Geschichten des Scheiterns, von Brüchen in der eigenen Biografie aber auch Geschichten zum Schmunzeln. Dass die vom Schicksal getroffenen dabei auch noch lachen können, bewundert Oskamp. Diese Bewunderung für die jeweilige Lebensleistung spiegelt sich in den Geschichten Oskamps wider, die voller Menschlichkeit und Witz erzählt werden und nicht mitleidig auf die sogenannten „Abgehängten“ blicken.

Von der Poesie zur Fußpflege und von der Fußpflege zur Poesie. Was sie als nächstes schreibt, weiß Katja Oskamp noch nicht. Zum Schreiben fehlt ihr aktuell die Zeit. Als Fußpflegerin will sie aber unbedingt weitermachen, und das nicht unbedingt des Geldes wegen.

Thomas Braune