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Eine Ausstellung zum 100. Todestag von Rosa Luxemburg

Rosa Luxemburg steht als Beispiel für weibliche Emanzipation in einer Zeit von hierarchisch-maskuliner Politik und Marginalisierung weiblicher Intellektualität. Zum 100. Todestag von Rosa Luxemburg bereicherte uns auf dem "Roten Sofa" Hans Hübner als Experte und langjähriger Genosse mit Anekdoten und Wissenswertem rund um Rosas Leben.

„Mein Ideal ist eine solche Gesellschaftsordnung, in der es mir vergönnt sein wird, alle zu Lieben …“ Warschau im Sommer 1887 von Rosa Luxemburg

Hans Hübner, der selbst auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann, berichtete den Zuhörer*innen das kurze, auch schmerzhafte aber auch leidenschaftliche Leben einer Ikone. Rosa glaubte fest daran, dass noch in ihrer Lebenszeit nationale Verschiedenheiten keine großen Einflüsse auf Gesellschaften ausüben würden. Sie stand für eine teilhabende, demokratische Arbeiter*innenbewegung ein. Ihr polarisierendes Auftreten, sowohl in der polnischen als auch in der deutschen Sozialdemokratie führte zu Auseinandersetzungen mit etablierten sozialdemokratischen Politiker*innen. Ihr Engagement für Massenstreiks, als Kriegsverhinderin und ihr Aktivismus gegen Nationalismus brachte die damalige Sozialdemokratische Partei Deutschland um 1898 an die Grenzen. Schließlich verließ Rosa die 1914 die SPD. Nicht nur ihr Mut und ihre Ausdauer in der Politik machten sie berühmt, sondern auch ihr Denken machte sie einzigartig. So bezeichnete ihr Doktorvater Julius Wolf 1924 Rosa Luxemburg als „begabteste“ seiner Student*innen in Zürich.

„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Aufsatz Zur russischen Revolution von Rosa Luxemburg und veröffentlicht durch ihren guten Freund Paul Levi 1922.

Um das politische Wirken von Rosa und Karl nachzuvollziehen, ist die Abspaltung zur damaligen SPD durch die USPD - die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschland – zu nennen. Der USPD schloss sich 1917 die Spartakusgruppe an. Schon ein Jahr später organisierte sich der Spartakusbund mit Rosa und Karl neu. Die Novemberrevolution im Jahr 1918 mit ihren Gewalttaten, Verlusten und Hoffnungen mündete in die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands. Auch hier führten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die Geschicke der Partei in Fragen des Parteiprogramms und den Zielen an. Rosa und Karl gründeten 1918 die Zeitung „Die Rote Fahne“, für die sie viele Beiträge verfassten. So wurde in der Zeitung unter anderem die Entwaffnung der Polizei und die Bewaffnung des Volkes gefordert.

Noch am Tag ihrer von Waldemar Pabst – Offizier eines Freikorps – angeordneten Ermordung, dem 15. Januar 1919, schrieb Rosa einen Beitrag für die Arbeiter*innenklasse ohne die Schicksalhaftigkeit des Tages zu ahnen.

Was bleibt, ist das Gedenken, Erinnern und Mahnen. Hans Hübner und seine gesammelten zeitgeschichtlichen Dokumente über Rosa Luxemburg lassen den Dialog zwischen der Vergangenheit und dem Jetzt suchen. Vielleicht erkennen wir, dass Biographien wie die von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von einer Zeit erzählen, in der der Einsatz für soziale Grundrechte den Tot bedeuten konnte. Vielleicht erkennen wir aber auch, wie groß, wichtig und fragil heutige Freiheiten sind und für welche Freiheiten wir einstehen wollen.

Michelle Proehl