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Neue Wege für die Oberstufe

Die Oberstufe an Gemeinschaftsschulen stand im Blickpunkt eines Fachgesprächs am 7. Juli 2015, zu dem die Linksfraktion Vertreterinnen und Vertreter der Berliner Gemeinschaftsschulen eingeladen hatte.

2008 starteten die ersten Gemeinschaftsschulen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Es gab zum Beispiel Gesamtschulen mit und ohne gymnasiale Oberstufe, Grundschulen, die eine eigene Mittel und Oberstufe aufbauen wollten, Kooperationen von Grund- und Sekundarschulen sowie komplette Schulneugründungen. Es gibt also ganz unterschiedliche Wege, um zu einer Schule des gemeinsamen Lernens von der 1. Jahrgangsstufe bis zum Schulabschluss zu werden und alle schulischen Abschlüsse bis zum Abitur zu ermöglichen. An der eigenen Gemeinschaftsschule auch das Abitur machen zu können, ist für viele Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern ausschlaggebend, um sich für eine Gemeinschaftsschule beziehungsweise für den Verbleib an der Gemeinschaftsschule nach der Grundschulzeit zu entscheiden. Im Schuljahr 2014/15 haben von den 22 Berliner Gemeinschaftsschulen der Pilotphase sieben eine eigene, voll ausgebaute Sekundarstufe II. An drei Gemeinschaftsschulen wird eine Sekundarstufe II aufgebaut und vier weitere haben Anfang des Jahres die Genehmigung zum Aufbau erhalten.

In der Ausgestaltung und beim Neuaufbau der Sekundarstufe II stellt sich zunehmend die Frage, wie Pädagogik und Lernkultur, die in der Grund- und Sekundarstufe I entwickelt wurden, in der Sekundarstufe II fortgesetzt werden können. Wie kann eine Oberstufe an Gemeinschaftsschulen, die sich als »Schule für alle« verstehen, aussehen? Schülerinnen und Schüler erleben die »klassische gymnasiale Oberstufe« häufig als Bruch mit den an vielen Gemeinschaftsschulen praktizierten eigenverantwortlichen und individuellen wie gemeinschaftlichen Lernformen. »Wir haben als Gemeinschaftsschule einen Hausbau mit neuem Fundament und einer neuen ersten Etage und setzen nun ein altes Dach darauf« – so brachte es eine Schulleiterin sinngemäß auf den Punkt. In der Debatte ging es dann sowohl um Gestaltungsmöglichkeiten für die Sekundarstufe II, die innerhalb der rechtlichen Vorgaben in Berlin und insbesondere der Kultusministerkonferenz (KMK) möglich sind, als auch um Wege, die im Rahmen von Schulversuchen erprobt werden können. Auch der Änderungsbedarf auf der Ebene der Kultusministerkonferenz wurde thematisiert.

Lehrerinnen, Lehrer und Schüler der Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule stellten ihren Weg, auf dem im nächsten Schuljahr der erste Jahrgang das Abitur ablegen wird, vor. Sie bauen auf Bewährtem der Mittelstufe auf und entwickeln es weiter. Ergebnis eines fachübergreifenden und damit sinnzusammenhängenden Unterrichts ist eine »Profiloberstufe« mit bisher zwei Profilen, einem naturwissenschaftlichen (Biologie/Erdkunde) und einem sprachlich-sozialwissenschaftlichen (Geschichte/Englisch). Auch eine Jahrgangsmischung findet im Rahmen des Möglichen weiter statt.

Eine Elternvertreterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum (ESBZ) skizzierte das von Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, Eltern der Schule sowie Expertinnen und Experten entwickelte Konzept einer »neuen Oberstufe«. Auch hier geht es um die Fortführung der Jahrgangsmischung und die sinnvolle Ausgestaltung des 11. Schuljahres, unter anderem mit Auslandsaufenthalten. Das Konzept bietet flexible Möglichkeiten und Abschlüsse. So können zum Beispiel Leistungen für das Abitur nicht nur in der Qualifikationsphase erbracht werden und Schülerinnen und Schüler, die mit dem mittleren Schulabschluss noch nicht die Voraussetzungen für den Übergang in die gymnasiale Oberstufe erworben haben, können diese auch noch in der Oberstufe erreichen.

Auch die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule will ihren reformorientierten Weg fortsetzen, berichtete eine Elternvertreterin. Sie hat die Einrichtung einer eigenen Sekundarstufe II nach langem Ringen genehmigt bekommen und geht neue Wege in einer kooperativen Oberstufe mit der Elinor-Ostrom-Schule, einem reformpädagogischem OSZ.

Die Fortsetzung der Debatte bleibt spannend und folgt bei einer von der Linksfraktion für den Herbst geplanten Veranstaltung mit dem Schwerpunkt Gemeinschaftsschule als inklusive Schule.

Regina Kittler
Sprecherin für Bildung

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